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Sonntag, 16. Dezember 2018

Zum Tode von Karl Mildenberger

Veröffentlicht : 15.11.2018 13:33:00
Kategorien : Profiboxer

Zum Tode von Karl Mildenberger

Am 10. September 1966 schaffte sich Karl Mildenberger seine eigene Legende. An jenem Abend eroberte der Schwergewichtler aus Kaiserslautern die Herzen einer Nation im Sturm - und das, obwohl er den Boxkampf im Frankfurter Waldstadion durch technischen KO in der zwölften Runde verlor. Doch sein Gegner bei der ersten Schwergewichts-Weltmeisterschaft auf deutschen Boden war nicht irgendwer - es war der „Größte aller Zeiten“, Muhammad Ali, damals noch Cassius Clay. Und der galt als so großer Favorit - man traute Mildenberger maximal drei Runden zu - dass sich nichtmal die deutschen TV-Anstalten zu einer Live-Übertragung hinreißen ließen. Trotzdem fanden um die 40.000 Fans ihren Weg ins Waldstadion, darunter viel Prominenz wie Ursula Andress und Jean-Paul Belmondo, wie Max Schmeling und Joe Louis. Und sie sahen, wie Mildenberger den Kampf seines Lebens kämpfte, wie er den großen Ali Runde um Runde vor Probleme stellte und trotz zweier, kurzer Bodenbesuche sein Heil in der Flucht nach Vorne suchte und erst in der zwölften Runde vom britischen Ringrichter stehend aus dem Duell genommen wurde. Am folgenden Tag war sich die deutsche Presse einig und feierte den unterlegenen Herausforderer für seine tapfere Leistung: „Mildenbergers größter Sieg.“

Das größte Lob gab es aber im Anschluss von Muhammad Ali selber: „Er ist der zweitschnellste Schwergewichtler und bestaussehende weiße Boxer der Welt!“ Später nannte der „Größte“ Mildenberger auf Platz fünf der Rangliste der härtesten Gegner seiner einzigartigen Karriere.

Doch die Laufbahn Mildenbergers definiert sich nicht nur über diesen einen Abend, diesen legendären Kampf gegen Ali. Er war von 1964 bis 1967 Europameister und konnte dabei den Titel sechsmal verteidigen. Zusammen mit dem Belgier Pierre Charles hält er somit den bis heute bestehenden Rekord für die meisten EM-Titelverteidigungen im Schwergewicht. Bei seinem ersten Kampf nach Ali, gegen Piero Tomasoni in Frankfurt am 1. Februar 1967, mussten die Veranstalter hunderte von Menschen nach Hause schicken, die an der Abendkasse noch auf eine Eintrittskarte gehofft hatten. Die Festhalle war restlos ausverkauft, alle wollten den neuen, deutschen Box-Helden im Ring erleben. Seine Karriere beendete der damals 31-jährige „Milde“ dann aber bereits 1968 nach nur zehn Jahren als Profiboxer. Dabei stand er 62 Mal im Ring - und gewann 53 seiner Profikämpfe. Genau diese zehn Jahre als Profi hatte sich der Pfälzer vorgenommen, keinen Tag länger.

Nach seiner aktiven Zeit fiel Mildenberger zunächst in ein emotionales Loch, aus dem er sich mit der Hilfe seiner Freunde und seiner Familie in seiner Heimat Kaiserslautern aber schnell hinausziehen konnte. Fortan war er gern-gesehener Gast bei Veranstaltungen aller Art - besonders aber am Ring: doch während er zu den Zeiten von Henry Maske noch häufig als Ehrengast in der ersten Reihe saß, schwor er dem Sport mit der Zeit mehr und mehr ab. „Das sind doch keine richtigen Kämpfe mehr“, sagte er einst. Und mit seiner Pensionierung 2002 - er arbeitete bis dahin als Bademeister - zog er sich langsam aus der Öffentlichkeit zurück. Spätestens nach seinem 70. Geburtstag im Jahr 2007, zu dem er auch Ali eingeladen hatte, der aber aufgrund seiner fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung die Reise nach Europa nicht antreten konnte, wurde es still um den einstigen Box-Helden.

Am 5. Oktober starb Mildenberger im Beisein seiner Frau Miriam in einem Hospiz in Kaiserslautern. „Milde“ wurde 80 Jahre alt.

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