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Samstag, 6. Juni 2020

Tyson Fury: Erst Wilder, dann Anthony Joshua?

Veröffentlicht : 15.03.2020 09:46:42
Kategorien : Profiboxer // Veranstaltung

Tyson Fury: Erst Wilder, dann Anthony Joshua?

Samstag, der 22. Februar 2020. Das legendäre MGM Grand in Las Vegas. Hier hatte schon Evander Holyfield Schwergewichts-Geschichte geschrieben, als er 1996 völlig überraschend den unbesiegbar scheinenden Mike Tyson entthronte. Der gefürchtete KO-König - er war chancenlos gegen den überraschend aggressiv agierenden Holyfield. Auch Deontay Wilder hatte eine Aura der Unbesiegbarkeit aufgebaut und seinen Ruf als brutalen Knockouter zementiert. Deontay Wilder war der Favorit an jenem 22. Februar in Las Vegas. Doch Tyson Fury, der smarte Brite, der Depressionen und Gewichtsschwankungen überstanden hat nachdem er einst Wladimir Klitschko die WM-Titel entriss, ließ sich - wie damals Holyfield - nicht von Wilders Resümee einschüchtern. Selbst die zwei Niederschläge, die er im ersten Duell der beiden im Dezember 2018 einstecken musste, hatten keine Spuren hinterlassen. Nein, Tyson Fury war fest entschlossen, Wilder in die Schranken zu weisen. „Ich werde ihn KO schlagen. Ich werde ihn von Anfang an unter Druck setzen“, kündigte der „Gypsy King“ wiederholt an und wurde dafür belächelt. Das Heil in der Flucht nach Vorne gegen einen der härtesten Puncher der Schwergewichts-Geschichte - ein Himmelfahrtskommando, sagten viele Experten. Ein Bluff, sagten die anderen.

Das glaubten offenbar auch Wilder und sein Team - denn als Tyson Fury nach dem ersten Gong an diesem Samstagabend wild entschlossen den Vorwärtsgang einlegte, war der US-Amerikaner sichtlich überrascht und gezeichnet. Zwei Runden konnte Wilder einigermaßen mithalten, doch im dritten Durchgang musste er erstmals zu Boden. Der zweite Niederschlag folgte dann in Runde fünf. Beherzt kämpfte sich der 34-Jährige bis in den siebten Durchgang, doch nach weiteren Schlagsalven Furys flog das Handtuch aus Wilders Ecke. Tyson Fury hatte die (Box-)Welt schockiert. Tyson Fury, der neue WBC-Weltmeister im Schwergewicht.

Doch nach dem Kampf ist zugleich auch vor dem Kampf. Schon im Juli soll Fury wieder in den Ring steigen, ein drittes und wahrscheinlich letztes Mal gegen Wilder. Der hatte eine vertraglich-zugesicherte Rückkampfklausel nur wenige Tage nach der Pleite von Las Vegas aktiviert: „Der Krieg hat gerade erst begonnen“, sagte er. „Ich werde wieder auferstehen!“ Während die meisten Fans - und auch Furys Co-Promoter Frank Warren - nach dem deutlichen Kampfverlauf auf einen dritten Teil verzichten könnten, nimmt Fury die Aufgabe deutlich ernster: „Ich will eines über Deontay Wilder sagen: Er ist ein grandioser Kämpfer und brandgefährlich. Er kann mit seinem Punch alles ausradieren, er hat 43 KOs und nur diese eine Niederlage. Gegen Deontay ist man immer nur einen Schlag vom Desaster entfernt.“

Knapp einen Monat vor dem anvisierten Termin für Fury-Wilder 3 soll in London im Juni der nächste Kampf von Dreifach-Weltmeister Anthony Joshua steigen, eine Pflichtverteidigung gegen den Bulgaren Kubrat Pulev. Schon jetzt sehnen sich Boxfans auf der ganzen Welt nach einem Vereinigungsduell der beiden Briten Fury und Joshua - und auch die beiden Boxer beteuern, dass sie den Kampf unbedingt auf die Beine stellen wollen. Joshuas Promoter Eddie Hearn ist von der Idee hellauf begeistert: „Ich bin davon überzeugt, dass AJ und Fury im kommenden Jahr miteinander im Ring stehen werden - und das wird der größte Schwergewichts-Kampf aller Zeiten!“ Erst Wilder und dann Anthony Joshua - laut Fury würde er dann auch seine Handschuhe an den Nagel hängen: „Ich habe noch zwei Kämpfe im Tank, danach müssen wir klipp und klar über meine Zukunft entscheiden. Ich bin in 31 Kämpfen ungeschlagen, ich bin seit zwölf Jahren Profi. Noch zwei Kämpfe und das wars dann!“ Ob Tyson Fury diese Ankündigung letztlich in die Tat umsetzt ist unklar - sicher ist aber: Der „Gypsy King“ wird in diesen beiden, seinen vielleicht letzten, Kämpfen nicht mehr als Außenseiter in den Ring steigen. Und sollte er seine Karriere tatsächlich nach Siegen über Wilder und Joshua beenden und als ungeschlagener Schwergewichts-Champion abtreten, dann wird er als einer der ganz Großen seiner Zunft in die Geschichtsbücher eingehen.

Fotos: Mikey Williams/Top Rank Boxing

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