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Sonntag, 16. Dezember 2018

Tyson Fury: Ein Unentschieden wie ein Sieg!

Veröffentlicht : 05.12.2018 16:30:00
Kategorien : Profiboxer // Veranstaltung

Tyson Fury: Ein Unentschieden wie ein Sieg!

Es war ein Comeback, welches Tyson Fury nur wenige Beobachter zugetraut hatten. Nach jahrelanger Ringabstinenz, vielen persönlichen Problemen, Gewichtsschwankungen und nur zwei durchschnittlichen Aufbaukämpfen trat er in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Staples Center von Los Angeles dem ungeschlagenen KO-König Deontay Wilder im Duell um dessen WBC-Krone im Schwergewicht gegenüber. Und um ein Haar hätte sich Fury drei Jahre nach seinem Sensationssieg über Wladimir Klitschko erneut zum Weltmeister im Schwergewicht gekrönt.

Doch am Ende konnte auch er sich nicht komplett der immensen Schlagkraft Wilders, der bis dato von 40 Profikämpfen 39 durch Knockout gewonnen hatte, entziehen und musste zweimal Bekanntschaft mit dem Ringboden machen: In Runde neun und besonders im zwölften und letzten Durchgang, als ein brutaler Niederschlag auf eine harte Kombination des Titelverteidigers folgte, von dem sich Fury nur wie durch ein Wunder erholen konnte. Denn zunächst lag der Brite reglos auf dem Boden, wirkte gänzlich ausgeknockt. Aber dann, als der Ringrichter bei Sekunde fünf angelangt war, rappelte er sich wieder auf, kam auf die Beine und führte den Schlagabtausch mit Wilder fort. Kurz vor dem Schlussgong setzte er sogar mit einer rechten Hand ein Ausrufezeichen und konnte den anstürmenden US-Amerikaner beeindrucken, seinen Offensivdrang für einige Sekunden stoppen. Nach 36 teils dramatischen Minuten war der Kampf letztlich vorbei. Die Punktrichter hatten zu entscheiden - und ohne den Niederschlag kurz vor Schluss hätte Tyson Fury seinem Comeback die Krone aufgesetzt und Wilder entthront. Doch so musste er sich mit einem fairen Unentschieden begnügen, denn die Offiziellen werteten am Ende mit 115-111 für Wilder, 114-112 für Fury und 113-113.

Somit bleibt Deontay Wilder unbesiegter WBC-Weltmeister im Schwergewicht. Doch der große Sieger des Abends war trotzdem Fury, der mit seiner Leistung und besonders seinem Kämpferherz in eben jener letzten Runde, all seine Kritiker verstummen ließ. Viele Fans sahen den britischen 2.06-Meter-Hünen am Ende des Abends gar als Sieger und waren mit dem Urteil nicht einverstanden. Auch Fury selbst hatte am nächsten Morgen an dem Ausgang des Kampfes zu knabbern und fühlte sich als Gewinner: „Es ist wie es ist. Ich habe jede Sekunde genossen. Ich werde jetzt nicht hier herumsitzen und den ganzen Tag herummeckern. Ich denke, dass ich den Kampf gewonnen habe.“ Zugleich zollte er Wilder aber auch größten Respekt und fügte an: „Gestern Abend haben zwei Männer ihr Bestes gegeben, wir haben beide alles gegeben, haben zehn Wochen alles für diesen Abend investiert. Wir haben unsere Familien nicht gesehen, wir haben viele Opfer gebracht. Deontay und ich waren topfit und das haben wir gezeigt. Ich hoffe, dass die Zuschauer eine tolle Show genossen haben.“

Natürlich wurden im Anschluss an das Urteil prompt die Rufe nach einem Rückkampf laut - natürlich auch von Seiten Furys: „Ich bin mir sicher, dass wir den Fans auch im zweiten Kampf eine großartige Show bieten werden! Ich will das Rematch und diesmal werde ich ihn klar und deutlich besiegen.“

Gegen ein zweites Duell hat auch Wilder nichts einzuwenden. Der 33-Jährige sah sich, wenig überraschend, ebenfalls als Sieger des Kampfes. „Ich war der aggressive und effektiver Boxer. Um den Champ zu besiegen, muss man den Champ dominieren. Ich habe die besseren Treffer gelandet. Wir haben den besten Tyson Fury gesehen, aber nicht den besten Deontay Wilder - aber trotzdem habe ich den Kampf gewonnen“, resümierte der WBC-Weltmeister. „Ich habe mich zu sehr auf den Knockout versteift und dabei meine eigentlich Taktik vergessen. Ich kann es kaum erwarten, dass unser zweiter Kampf das Gerede von einem Fehlurteil auf der ganzen Welt ein für alle Mal beendet.“

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