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Dienstag, 26. März 2019

Fury-Coach Davison: Tyson ist ein harter Hund!

Veröffentlicht : 09.03.2019 22:49:51
Kategorien : PaffenSport // Profiboxer

Fury-Coach Davison: Tyson ist ein harter Hund!

Ben Davison, nur 27 Jahre jung, ist der Mann, der den ehemaligen Schwergewichts-Champion Tyson Fury wieder auf Kurs gebracht hat. Nachdem Fury nach seinem Sensationssieg über Wladimir Klitschko mit privaten Problemen und enormer Gewichtszunahme zu kämpfen hatte, trauten ihm viele Experten kein Comeback mehr zu. Doch mit Davison in seiner Ecke schaffte es Fury zurück an die Spitze seiner Gewichtsklasse - und erkämpfte sich gegen WBC-Champ Deontay Wilder vor wenigen Monaten sogar ein Unentschieden. FightMag by Paffen Sport sprach mit Davison exklusiv über die Zukunft von Fury, den Wilder-Kampf, Anthony Joshua und vieles mehr.

FightMag: Was steht für Tyson Fury als nächstes auf dem Programm? Ist ein Rückkampf mit Deontay Wilder für Euch immer noch Priorität? Oder steht Tysons neuer Deal mit ESPN dem im Wege?

Ben Davison: Natürlich würden wir den Kampf gerne machen. Und wenn man sich die Zahlen bei ESPN im Vergleich zu Showtime anschaut, dann ist klar, dass ESPN die größere Platform bietet. Hoffentlich können wir den Kampf mit Hilfe von ESPN zu einem noch größeren Kampf vor noch mehr Zuschauern machen - denn das wäre für beide Boxer auch finanziell ein Vorteil.

FM: Also macht es Euch keine Sorge, dass nun alle drei großen Schwergewichtler andere TV-Partner in den USA haben? Tyson mit ESPN, Wilder mit Showtime und Anthony Joshua mit DAZN?

BD: Nein. Wenn alle Seiten das nötige Geld verdienen, dann kann man trotzdem die großen Kämpfe auf die Beine stellen. Und nebenbei: Wilder hat keinen festen Vertrag mit Showtime, sie reden von Kampf zu Kampf miteinander.

FM: Lass uns über den Kampf gegen Wilder sprechen: Was hat Tyson richtig gemacht, was falsch und wie kann er sich im Rückkampf verbessern?

BD: Wir müssen ein paar Kleinigkeiten verändern, weißt Du? Ich glaube, und ich denke, dass sehen 99 Prozent der Boxwelt genauso, dass Tyson den Kampf gewonnen hat. Wir wissen, welchen Fehler wir in der letzten Runde gemacht haben und werden das nicht wiederholen. Ich kann jetzt natürlich nicht zu viel verraten, da es ja eventuell einen Rückkampf geben wird. Aber wir wissen, welche Fehler wir gemacht haben und wie wir sie abstellen können - um einen zweiten Kampf noch deutlicher zu gestalten.

FM: Hand aufs Herz: Hast Du daran geglaubt, dass Tyson nach dem Knockdown in der zwölften Runde nochmal auf die Beine kommt?

BD: Es war ein sehr schwerer Niederschlag. Ich war mir nicht sicher. Ich bin aufgestanden, um mir die Situation genau anzuschauen. Aber Tyson ist ein richtig harter Hund, er ist wieder auf die Beine gekommen und hat die Runde bärenstark beendet.

FM: Es sah sogar danach aus, als habe er Wilder am Ende ein wenig angeklingelt.

BD: Ganz genau!

FM: Warst Du über den Verlauf des gesamten Kampfes sicher, dass Tyson gewinnen würde? Oder gab es einen Punkt, an dem Du das Gefühl hattest, er verliert die Kontrolle?


BD: Es gibt immer dieses Risiko mit großen Punchern wie Deontay Wilder. Dieses Risiko, dass ein Schlag den ganzen Kampf verändert - und das wäre ja auch beinah passiert! Ich wusste das, Tyson wusste das - wir wussten es, als wir den Kampf angenommen haben. So ist das im Boxen, besonders im Schwergewicht, nunmal: Ein Schlag kann alles auf den Kopf stellen. Das weiß Tyson und wir haben unser Bestes gegeben, um das zu vermeiden.

FM: Viele Fans haben nicht damit gerechnet, dass Tyson gegen Wilder so gut aussehen würde. Was hast Du mit ihm nach der schweren Zeit, die er durchlebt hat, angestellt?

BD: Wir haben eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit. Wir arbeiten viel an den Grundlagen des Boxens. Von Grund auf an jedem einzelnen Puzzleteil - das ganze Team zusammen. Und das Team ist fantastisch - wir haben einen Ernährungsspezialisten, einen Coach für Kraft und Ausdauer. Dazu hat er seine tolle Familie um sich herum. Jeder einzelne hat seinen Teil dazu beigetragen, dass Beste aus Tyson herauszuholen. Und nicht zuletzt ist Tyson auch für die ganz großen Kämpfe wie gemacht - das hat er mal wieder gezeigt!

FM: Wie hat Eure Zusammenarbeit angefangen?

BD: Ich war mit Billy Joe Saunders, dem Mittelgewichtler, im Trainingslager in Marbella und Tyson kam plötzlich zur Türe hinein. Damals hatte er viel zu viele Kilos auf den Rippen. Wir haben ein paar Tage zusammengearbeitet und dann hat er mich gefragt, ob ich sein Trainer werden will. Wir haben einfach weitergemacht, sind in Kontakt geblieben und dann führte eins zum anderen. Ende 2017, im November, war ich bei Tyson zuhause und wir haben unsere Zusammenarbeit besiegelt. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

FM: Was denkst Du über Anthony Joshua und Deontay Wilder?

BD: Beide sind sehr gute Kämpfer. Ich glaube, dass sich Tyson mit Wilder schwerer tut, aber damit will ich Joshua nichts absprechen. Aber der Stil von Joshua spielt Tyson etwas besser in die Karten. Deontay Wilder ist dazu ein sehr gefährlicher Kerl. Wie ich schon sagte: Er kann einen Kampf in einer Millisekunde auf den Kopf stellen. Und das weiß Wilder, da ist er sehr selbstsicher. Joshua hat nicht so viel Power in einem Schlag wie Wilder, aber er ist natürlich trotzdem ein sehr, sehr guter Boxer. Er hat in seiner Laufbahn schon verdammt viel erreicht. Wir hoffen einfach, dass wir Kämpfe gegen die beiden auf die Beine stellen können.

FM: Was denkst Du über den Joshua-Miller-Kampf?

BD: Schwer zu sagen. Wenn Miller etwas einstecken kann, dann könnte das ein hartes Stück Arbeit für Joshua werden. Ich glaube nämlich, dass Joshua sich nicht so gut bewegen und auch nicht so gut boxen kann wie beispielsweise Tyson. Wenn er also versucht, Miller mit schweren Schlägen einzudecken, aber Miller seine Treffer nehmen kann, dann weiß ich nicht, ob Joshua die Kondition hat, zwölf volle Runden zu gehen. Es wird ein interessanter Kampf. Aber im Endeffekt erwarte ich schon, dass Joshua gewinnen wird.

FM: Wie siehst Du einen Kampf zwischen Tyson und Joshua?

BD: Zwei Möglichkeiten: Joshua kann auf den schnellen KO gehen, aber dann glaube ich nicht, wie gesagt, dass er die Kondition hat um das lange durchzuhalten. Auf diesem Level kannst Du deine Gegner nicht einfach überrennen. Tyson würde ihn so im Laufe des Kampfes stoppen. Er hat eine bessere Chance, wenn er seine Distanz zu Tyson wahrt und kontrolliert Treffer erarbeitet. Aber nochmal: Ich glaube nicht, dass er der Typ ist, der gute Gegner einfach so mit einem Treffer KO schlägt. Trotzdem: Er ist ein guter Kämpfer und wir hoffen einfach, den Kampf machen zu können.

FM: Du bist ein ziemlich junger Trainer, gerade auf diesem Level. Hat Dein Alter, positiv wie negativ, je eine Rolle in Deiner Karriere gespielt?

BD: Ich glaube schon, dass es am Anfang meiner Zusammenarbeit mit Tyson für die Öffentlichkeit eine gewisse Rolle gespielt hat. Da gab es sicher den ein oder anderen Zweifel. Aber dann haben die Leute Tyson im Ring gesehen und bemerkt, dass unsere Arbeit Früchte trägt. Da haben sie mehr und mehr realisiert, dass wir einfach ein gutes Team sind. Und dann gabs auf einmal auch kein Problem mehr mit meinem Alter. Im Übrigen wusste bislang jeder Boxer, mit dem ich zusammengearbeitet habe, binnen Sekunden, dass ich ihm helfen kann.

FM: Es muss trotzdem eine Genugtuung gewesen sein, die Kritiker mit dem Wilder-Kampf verstummen zu lassen.

BD: Natürlich. Aber als Box-Trainer ist es mein klares Ziel, das Beste aus einem Boxer herauszuholen. Wenn man das schafft, dann kommt die Anerkennung von ganz allein. Im Grunde habe ich nur meinen Job gemacht.

FM: Wie bist Du zum Boxen gekommen?

BD: Mein Vater war Amateurboxer, ich habe auch als Amateur im Ring gestanden. Als Coach habe ich dann mit Billy Joe Saunders angefangen. Mit 17 oder 18 habe ich meine Trainerscheine gemacht und seitdem stehe ich als Coach in der Ecke.

FM: Arbeitest Du noch mit Billy Joe Saunders?

BD: Ab und an arbeite ich noch mit Billy Joe zusammen, ja.

FM: Er boxt demnächst um den WBO-Titel im Supermittelgewicht. Gewinnt er den Kampf?

BD: Ja, ich bin mir da sehr sicher. Billy Joe ist ein extremes Talent, ähnlich wie Tyson. Er ist ein großartiger Boxer und das ist eine tolle Chance für ihn, in einer zweiten Gewichtsklasse Weltmeister zu werden.

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